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Beate Blumenstein, Leiterin der WEADI. Foto: Privat

Eltern sind an Grenzen gestoßen

29.05.2020

Keine Entlastung über Wochen - Familiendienst darf jetzt wieder helfen.

Schwere Wochen liegen hinter dem Familiendienst der Werraland Ambulante Dienste gGmbH (WEADI). „Schwere Wochen vor allem für viele Familien mit beeinträchtigten Angehörigen“, sagt Beate Blumenstein, Leiterin der WEADI. Denn wie wichtig Hilfe und Unterstützung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ist, zeigte sich in der durch die Corona-Pandemie bedingten Zwangspause.

Auf Anordnung der Hessischen Regierung war die Gruppen- und Einzelbetreuung durch den Familiendienst seit 16. März untersagt. „Wir erledigten zwar noch Einkäufe, Apothekengänge und die Abholung von Rezepten, mussten aber alles vor der Haustür ablegen“, so Blumenstein. Um die Betreuung der Menschen, um die es eigentlich geht, durften sich die Mitarbeiter der WEADI nicht mehr kümmern.

„Viele Eltern sind ohne unsere entlastende Unterstützung an ihre Grenzen gestoßen. In einigen Familien hat es lichterloh gebrannt, wenn man das so sagen darf“, so Beate Blumenstein. Sie und ihre Mitarbeiter hielten mit Videotelefonie, Videokonferenzen und per E-Mail ständig Kontakt zu den betroffenen Familien  „Wir haben auf diesem Weg versucht, so gut es eben geht, zu helfen“, so Blumenstein.

Um persönlich vor Ort in den Familien zu unterstützten waren der WEADI aber die Hände gebunden. Auch das Jugendamt des Kreises, mit dem man gut und eng zusammenarbeitet konnte nicht helfen, denn die Verordnungen erlässt, wie für alle anderen Bereiche auch, die hessische Regierung. „Wir haben uns mit mehreren Schreiben direkt nach Wiesbaden gewandt und die dramatische Lage in manchen Familien geschildert“, sagt Blumenstein.

Für Eltern mit nichtbeeinträchtigten Kindern seien die Wochen ohne Schule und KiTa bereits fordernd gewesen und sind es noch. Für Eltern von beeinträchtigten Kindern sei diese Zeit aber noch mal extremer.

In Landtagsabgeordneten Knut John habe man dann einen Fürsprecher in Wiesbaden gefunden, der sich sehr eingesetzt habe. „Zwischendurch wurde uns für kurze Zeit die Einzelbetreuung genehmigt, dann wieder untersagt“, so die WEADI-Leiterin. Seit 25. Mai ist sie jetzt wieder erlaubt. Dadurch können einige Familien etwas durchatmen, wenn die Fachkräfte der WEADI jetzt wieder stunden- oder tageweise die Begleitung und Assistenz ihrer Kinder übernehmen dürfen.

„Es war über Wochen ein Spagat für uns. Auf der einen Seite hatten wir Verständnis für das Verbot, denn wo Kontakte minimiert werden, wird der Schutz für Kunden und Mitarbeiter vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus vergrößert. Und auf der anderen Seite riefen uns verzweifelte Eltern an, die sich mit ihren Kindern in einer echten Krisensituation befanden und nicht mehr ein noch aus wussten“, so Beate Blumenstein.

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